Muttertag
Muttertag gleich doppelt? – Wann feiert man in Ungarn und Deutschland, und warum gibt es Unterschiede?
Zwei Länder, zwei Daten: Die Geschichte und die Unterschiede des Muttertags kurz gefasst
Zweimal Muttertag? – Warum das für im Ausland lebende Ungarn verwirrend ist
Der Muttertag als Feiertag hat viel ältere Wurzeln und ist aus den Traditionen verschiedener Kulturen hervorgegangen.
Als in Deutschland lebender Ungar hast du vielleicht schon Anfang Mai die Verwirrung gespürt: Wann genau soll man die Mütter eigentlich grüßen? Während in der Heimat schon am ersten Sonntag im Mai alles um die Fliederblüten und die Kinder geht, die Gedichte üben, füllen sich die Blumenläden in Deutschland erst eine Woche später.
In Ungarn ist die Feier des Muttertags eine relativ junge Tradition, die sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts etablierte und auf die amerikanische Bewegung bis hin zu ungarischen Jugendorganisationen zurückgeführt werden kann.
Aber warum gibt es diesen Unterschied, und wie wurde aus einer persönlichen Trauer ein weltweiter Feiertag?
Woher stammt der Muttertag? – Die Geschichte des Feiertags in Kürze
Die Verehrung der Mütter tauchte bereits in der Antike auf. Die alten Griechen feierten beispielsweise im Frühling die Göttin Rhea, die Mutter der Götter, während bei den alten Römern ein ähnlicher Feiertag mit der Göttin Kybele verbunden war. Im Mittelpunkt dieser Feste standen Fruchtbarkeit, Mutterschaft und der Kreislauf des Lebens.
Diese Tradition lebte später auch in der christlichen Kultur weiter. In den mittelalterlichen christlichen Traditionen wurde bereits am vierten Sonntag der Fastenzeit, an dem Fest zu Ehren der Mutter Christi, der Jungfrau Maria, eine Art Muttertag gefeiert. In England wurde das Fest auf alle Mütter ausgeweitet, und man nannte das Ereignis fortan „Mothering Sunday“.
Die moderne Form des Festes lässt sich bis ins England des 17. Jahrhunderts zurückverfolgen, wo die Kinder nach der Andacht zu Ehren der Jungfrau Maria Geschenke und Blumen in die Kirche brachten, um so ihre eigenen Mütter zu ehren.
Den heutigen modernen Feiertag verdanken wir einer Amerikanerin, Anna Jarvis.
Wie aus einer persönlichen Geschichte ein weltweiter Feiertag wurde – Das Gelübde eines amerikanischen Mädchens
Anna beschloss 1905, nach dem Tod ihrer Mutter, dass es einen Tag geben sollte, der ganz den Müttern gewidmet ist und an dem Kinder ihrer Mutter ihre Dankbarkeit ausdrücken können. 1908 fand die erste offizielle Feier statt, bei der Anna mit einer weißen Nelke ihrer Mutter erinnerte.
Ihre Wahl war kein Zufall: Die weiße Nelke symbolisierte Reinheit, Glauben und die allumfassende Natur der mütterlichen Liebe. Die Bewegung war in den Vereinigten Staaten so erfolgreich, dass Präsident Woodrow Wilson 1914 den zweiten Sonntag im Mai zum offiziellen Nationalfeiertag erklärte, und von da an begann ihr Siegeszug um die Welt.
❤️🤍💚 Muttertag in Ungarn – warum am ersten Sonntag im Mai?
Die Idee wurde von Pálné Petri, der Ehefrau eines Staatssekretärs, aus Amerika nach Ungarn gebracht. Die erste Feier in Ungarn fand 1925 auf dem Gelände der MÁV-Maschinenfabrik statt. Die Initiative wurde vom Ungarischen Jugend-Roten Kreuz aufgegriffen, das sie mit den Traditionen der Marienverehrung im Mai verband.
In Ungarn wurde der Muttertag 1928 durch einen Ministerialerlass zu einem offiziellen Schulfeiertag erklärt. Als Termin wurde der erste Sonntag im Mai festgelegt, wahrscheinlich um ihn an die religiösen Feiertage anzupassen und eine mögliche Überschneidung mit den Pfingstfeiertagen zu vermeiden, sowie weil diese Zeit den Höhepunkt der Frühlingsblüte (Flieder) darstellt.
Neben Ungarn fällt der Feiertag beispielsweise auch in folgenden Ländern auf den ersten Sonntag im Mai:
🌷Angola,
🌷Portugal,
🌷Rumänien,
🌷Spanien und
🌷Serbien.
🖤❤️💛 Muttertag in Deutschland – warum am zweiten Sonntag im Mai?
In Deutschland begann die Geschichte des Muttertags ähnlich wie im Rest der Welt, doch hinter der Festlegung des Datums stand eine ernsthafte branchenweite Zusammenarbeit.
Während in Amerika Anna Jarvis als Privatperson kämpfte, war in Deutschland der Verband Deutscher Blumengeschäftsinhaber die treibende Kraft. Im Jahr 1922 begannen sie mit Plakaten und Kampagnen, das Motto „Ehre die Mutter“ zu verbreiten.
Die Deutschen übernahmen bewusst das amerikanische Datum. Ihre Argumentation war praktisch: Anfang Mai blühen bereits reichlich Blumen, und der Zeitpunkt mitten im Frühling eignet sich perfekt für Familienbesuche.
Obwohl der Tag bereits in den 1920er Jahren landesweit gefeiert wurde, wurde er erst 1933 zum offiziellen Feiertag erklärt und von da an auch für politische Zwecke genutzt.
Neben Deutschland wird der zweite Sonntag im Mai auch gefeiert in:
🌷den Vereinigten Staaten von Amerika,
🌷Österreich,
🌷Australien,
🌷Belgien,
🌷der Schweiz und
🌷der Türkei.
Die Schattenseiten des Muttertags: Der Triumph des Kommerzes
Interessanterweise kämpfte die Gründerin Anna Jarvis am Ende ihres Lebens selbst gegen diesen Feiertag. Es ärgerte sie, dass Blumenhändler und Grußkartenhersteller ihre aufrichtige Dankbarkeit zu einem kommerziellen Geschäft verkommen ließen. Einmal wurde sie sogar verhaftet, weil sie auf einem Wohltätigkeitsmarkt zum Muttertag demonstrierte.
Muttertag ohne Grenzen – im Kern ist es überall dasselbe
Insgesamt ist der Muttertag ein Fest, das von den Göttinnen der Antike ausgehend durch eine persönliche Geschichte zu einem weltweit anerkannten Tag wurde – und heute in erster Linie vom Ausdruck von Liebe, Dankbarkeit und Wertschätzung handelt.
Liebe Mütter und Großmütter im Ausland!
Ob man euch nun am ersten Sonntag in Ungarn oder am zweiten in Deutschland (oder vielleicht sogar an beiden!) feiert, das Wesentliche ist dasselbe: die Dankbarkeit für die unendliche Geduld und Liebe, die wir von euch erhalten.
Wir wünschen allen ungarischen Müttern, wo auch immer auf der Welt sie leben, einen schönen Muttertag!
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Quelle:
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